Filmen und fotografieren mit dem Smartphone (Teil 1)

Das Smartphone kann ein Ersatz für eine DSLR sein oder zusätzlich als 2. Aufnahmegerät dienen. Damit die Qualität am Ende stimmt, müssen einige Dinge beachtet werden. Auch die richtige App und das passende Zubehör beeinflussen das Ergebnis.

SmartphoneStativModerne Smartphones bieten mittlerweile eine hervorragende Qualität für Videos und Fotos. Oftmals sind sie in der Lage Videos in 4k zu drehen und Full HD ist sogar schon zum Standard geworden. Auch wenn die Bildqualität für viele Anwendungsbereiche mehr als ausreichend ist, gibt es einige gravierende Unterschiede zur DSLR Kamera, auf die ich zuvor kurz eingehen möchte. Danach stelle ich die minimale Ausrüstung für die Nutzung des Smartphones vor, gebe Tipps zur Nutzung und gehe auch auf Apps ein, mit denen Fotos und Videos aufgenommen und bearbeitet werden können.

Die wichtigsten Vorteile einer Spiegelreflexkamera

Als echter Ersatz kann ein Smartphone natürlich nicht dienen. Aber als vorübergehendes Einstiegsgerät oder als Ergänzung macht es eine sehr gute Figur. Dabei muss man sich immer im klaren sein, was eine DSLR mehr leisten kann.

  • Wechselbare Objektive
    Der größte Vorteil einer DSLR, DSLT oder DSLM liegt in der Vielzahl möglicher Objektive. Je nach gewünschtem Ergebnis oder Anforderungen an die Kamera kann das passende Objektiv gewählt werden. Soll ein möglichst großer Ausschnitt aufgenommen werden, fällt die Wahl auf ein Weitwinkel oder im Extremfall sogar auf ein sogenanntes Fish-Eye mit extrem kurzer Brennweite. Ein Standardzoom deckt dagegen den wichtigsten Bereich zwischen 18 und 105mm ab. Ein Zoomobjektiv, das über diesen Bereich hinausgeht, wird als Reisezoom bezeichnet. Wer noch weiter hinaus möchte, schaut sich im Bereich der Telezoom um. Diese decken beispielsweise den Brennweitenbereich von 70-200mm oder 70-300mm ab. Qualitativ am hochwertigsten (zumindest in den meisten Fällen) sind die Festbrennweiten. Diese wurden für eine exakte Brennweite wie 35mm, 50mm, 85mm usw. berechnet.

    Für Smartphones gibt es dagegen nur eine sehr begrenzte Anzahl Objektive, die mittels Clip über die Kamera geschoben werden. Qualitativ können diese kaum mit einem “echten” Objektiv mithalten. Wie sich solche Aufstecklinsen schlagen, zeigen die Testaufnahmen weiter unten.

    Objektive

    Ohne solche Hilfslinsen besitzt ein Smartphone keine Möglichkeit zum zoomen. Die Vergrößerung, die dort geboten wird, ist ein rein digitaler Zoom und sollte keinesfalls genutzt werden.

  • Deutlich größerer Bildsensor
    Der Bildsensor ist für die Bildqualität verantwortlich und bei einer Spiegelreflexkamera um ein vielfaches größer als in einem Smartphone. Während sich die 13 und mehr Megapixel auf einen Sensor von gerade mal 5,8 x 4,3 mm quetschen, können es sich die 20-24 Megapixel gängiger DSLR Kameras auf einer Fläche von 23,5 x 15,7 mm bequem machen. Bei Kleinbild/Vollformat Kameras sind es sogar 36 x 24 mm. Die große Fläche bietet nicht nur eine bessere Bildqualität, sondern ermöglicht auch ein intensiveres Spiel mit der Schärfentiefe.
  • Flexibilität durch nahezu unbegrenztes Zubehör
    Das wichtigste Zubehör sind Blitze und deren entfesselte Auslösung. Aber auch andere Zubehörteile wie Filter, Follow Fokus oder Fernauslöser unterstützen bei der Umsetzung von Ideen.
  • Aufnahmen im RAW-Format
    Das gängigste Format von Fotos ist JPG. Bilder in diesem Format sind allerdings schon fertig entwickelt und komprimiert. RAW benötigt zwar deutlich mehr Speicherplatz, ermöglicht aber auch eine weitaus gezieltere Nachbearbeitung. Dazu gehören Weißabgleich, Objektivkorrekturen wie chromatische Aberrationen, Belichtungskorrekturen uvm.

Das Smartphone als Video- und Fotokamera

Gerade wenn zu Beginn das nötige Kleingeld fehlt, kann das Smartphone als Startkamera genutzt werden. Das vorhandene Geld kann dann erstmal in die Grundausstattung investiert werden, die später auch mit der DSLR weiter genutzt werden kann.

  • Kamerastativ
    Für verwacklungsfreie Aufnahmen ist ein Stativ sowohl für das Smartphone als auch eine DSLR sinnvoll. Gerade bei Videoaufnahmen muss die Kamera an einem festen Ort fixiert werden, damit beide Hände zur Produktvorstellung frei sind. Bereits für weniger als 30 EUR bekommt man ein Stativ*, das das Smartphone sicher in allen Positionen hält und später auch noch für eine DSLR nutzen kann. Gerade für Videoaufnahmen ist der 3-Wege Kopf wichtig. Dieser lässt sich nicht nur drehen und nach vorne/hinten neigen, sondern auch in der Diagonalen verstellen.
  • Smartphonehalterung für Stativkopf

    Damit das Smartphone auf ein Stativ gesetzt werden kann, wird noch eine Smartphonehalterung* benötigt. Hier gibt es zahlreiches Universal-Zubehör, das sich an unterschiedliche Smartphonebreiten anpassen kann. Dabei sollte aber schon vor dem Kauf beachtet werden, das die maximale Aufnahmebreite so eingestellt werden kann, das sie auch ein größeres Gerät wie das iPhone 6 plus oder ein Galaxy Note 3/4/5 aufnehmen kann.

  • Licht
    Licht12
    Fotografie ist das Malen mit Licht. Daher wird nicht nur bei professionellen Kameras eine gute Beleuchtung benötigt. Gerade der kleine Sensor eines Smartphone benötigt noch einmal eine Schippe mehr Licht. Es sollte also wenigstens eine Lichquelle vorhanden sein, die dem Tageslicht ähnlich ist. Das kann mit Energiesparlampen (Tageslicht) oder einem kleinen Lichtset inkl. Stativ und Softbox* erfolgen. Durch die Softbox ergibt sich ein gleichmäßiges, weiches Licht, das durchaus schon die eine oder andere professionell anmutende Aufnahme ermöglicht. Für eine noch bessere und schattenfreie Ausleuchtung werden mindestens 2 Softboxen benötigt. Das größere Set mit 2 Softboxen* hat zudem auch den Vorteil, das es mit deutlich stärkeren Energiesparlampen ausgeliefert wird. Wer es perfekt haben möchte und die Mehrkosten nicht scheut, sollte gleich das große Set mit 3 Softboxen und Galgenstativ* nehmen.
  • Maximale Auflösung des Smartphones
    Je mehr Megapixel das Smartphone besitzt, desto toller sieht das Bild aus. Klingt logisch, oder? Ist aber falsch. Die Größe der Sensoren in Smartphones unterscheidet sich kaum. Daher müssen sich immer mehr Pixel den gleichen Raum teilen. Der einzelne Pixel wird dadurch kleiner und bekommt weniger Licht ab. Die Folge ist, das mehr Umgebungslicht für eine rauscharme Aufnahme erforderlich wird. Im direkten Vergleich und bei gleichen Lichtverhältnissen sieht die Aufnahme meines 8 Megapixel iPhone besser aus als die meines 16 Megapixel Galaxy Note 4.
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Die richtige App zum aufnehmen von Fotos und Videos

Jedes Smartphone mit Kamera hat auch eine entsprechende App installiert. Diese bietet in den meisten Fällen aber kaum mehr als einen Auslöser, einen Umschalter zwischen Foto und Video und vielleicht noch ein paar Einstellungen zur Größe und dem Format der Aufnahme. Richtig ausreizen lässt sich die Kamera erst mit Apps von Drittanbietern.

  • Camera FV-5 (Android)
    CameraFV
    Diese App kommt häufig auf meinem Note 4 zum Einsatz. Die Leistung hängt dabei stark vom eingesetzten Smartphone ab. Mein Note 4 kann beispielsweise viele Dinge nicht, die eigentlich über die App gesteuert werden können. ISO, Belichtungszeit, Weißabgleich und Belichtungskorrektur lassen sich zwar steuern, aber ein manueller Modus mit seinen vielen Vorteilen ist nicht möglich. Bei den Gitterlinien kann die App wirklich punkten. Hier lässt sich die Drittel-Regel anwenden und noch viele weitere Möglichkeiten wie der Goldene Schnitt, die Fibonacci Spirale usw. Auch ein Histogramm lässt sich in verschiedenen Größen einblenden. Es ist sinnvoll, zunächst die Lite Version zu laden und die Funktionen am eigenen Gerät zu testen.
  • Cinema FV-5 (Android)
    CinemaFV
    Anstatt alles in eine App zu stecken, hat sich der Anbieter für 2 separate Apps entschieden. Das kommt zwar der Bedienung und separaten Updates zugute, bedeutet aber auch doppelte Kosten, da 2 Apps gekauft werden müssen. Neben zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten wie Weißabgleich, Belichtungskorrektur, Fokusmethode, ISO und Gitterlinien lässt sich auch ein Histogramm zuschalten. Damit lässt sich mit ein wenig Erfahrung die korrekte Belichtung herauslesen. Auch hier sollte zunächst die Lite Version getestet werden.
  • ProCamera (iOS)
    ProCamera
    Diese App ist mein Favorit auf dem iPhone. Sowohl Fotos als auch Videos lassen sich in einer sehr guten Qualität aufnehmen. Dabei sorgen die möglichen Einstellungen für viel kreativen Spielraum. Sowohl die ISO, als auch Belichtungszeit lassen sich manuell verändern. Ein einblendbares Histogramm zeigt den aktuellen Belichtungszustand. Als Hilfsmittel für die Bildkomposition stehen einfache Gitterlinen, Drittel-Regel und Goldener Schnitt zur Verfügung. Eine Lite Version gibt es leider nicht, sodass direkt die Vollversion im App Store* gekauft werden muss. Aktuell kostet diese 2,99 EUR.
  • FilMiC Pro (iOS, Android)
    FilMicPro
    FilMiC ist eine reine Video App, die dem Benutzer alle Optionen bietet, die andere Apps nur im Foto-Modus bieten. Dafür ist sie mit rund 10 EUR auch die teuerste in dieser Auflistung. Dafür können einzelne Werte wie ISO, Belichtungskorrektur, Belichtungszeit usw. auch in kleinsten Schritten verstellt werden. (Android Version / iOS Version*)

Im zweiten Teil wird es um Objektive und deren Qualität gehen. Zusätzlich gibt es 10 Tipps für Foto und Video mit dem Smartphone.

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